Lernunternehmen

Auf der Jagd nach doppeltem Gewinn

So stark der Stamm auch ist, Colearning existiert nicht im luftleeren Raum. Wir alle brauchen Ressourcen zum Leben: einen Ort zum Lernen, Werkzeuge, Essen auf dem Tisch.

Doch Colearning will nicht am Tropf von Spenden oder dauerhaften Subventionen hängen. Wir wollen Freiheit, keine externe Abhängigkeit. Unser zentrales Vehikel für Autonomie und Kompetenzerwerb ist das Lernunternehmen.

Jagd: Lernen durch unternehmerisches Wirken

In der Sprache unseres Frameworks ist das Lernunternehmen das Werkzeug, mit dem wir den geschützten Stamm verlassen und auf die Jagd gehen. “Jagd” bedeutet hier nicht Aggression, sondern echte Projekte und echter Nutzen für Kunden.

Der Markt ist dabei ein unbestechlicher Feedback-Geber. Diese unmittelbare Resonanz – der Erfolg der Beute oder der Schmerz des Misserfolgs – erzeugt eine enorme Lernintensität.

Natürlich braucht es für Lernunternehmen Businesspläne, oft kleinere oder grössere Investitionen. Meistens ist ein altersgemischtes Team mit verschiedenen Fähigkeiten sinnvoll. Um das Team herum müssen Kompliz:innen und Kund:innen gefunden werden. Häufig wird das Wissen von Expert:innen angezapft. Es braucht Forschung, Experimente und Prototypen, häufiges Ausprobieren, Scheitern und nochmals versuchen.

Beute: Der doppelte Gewinn

Im Unterschied zum klassischen Unternehmen steht hier nicht die Profitmaximierung für Einzelne im Vordergrund. Wir optimieren auf einen doppelten Wert:

  • Unternehmerischer Gewinn: Wir schaffen einen echten Wert für andere – sei es ein Produkt oder eine Dienstleistung, die verkauft, getauscht oder verschenkt wird. Dieser Gewinn sichert die wirtschaftliche Existenz des Projekts.
  • Lerngewinn: Gleichzeitig wächst die Kompetenz aller Beteiligten. In einem Lernunternehmen verstehen sich alle – Jugendliche wie Erwachsene – als Lernende. Sie wagen sich auf neues Terrain, erwerben Fertigkeiten und reflektieren ihren Fortschritt gemeinsam.

Vom Markterlös zur Gemeinschaftsressource

Ökonomisch erfüllt das Lernunternehmen eine vitale Funktion: Es verwandelt Markterlöse in Gemeinschaftsressourcen.

Ein unternehmerischer Gewinn wird nicht privat gehalten, sondern als Beute zurück in den Stamm gebracht, geteilt und gefeiert. Natürlich erhalten die am Lernunternehmen direkt Beteiligten einen angemessenen Teil am Erfolg. Doch nicht nur Erfolge werden gefeiert, sondern gleichermassen werden Niederlagen und Verluste durch den Stamm aufgefangen und mitgetragen.

Auch der Lerngewinn wird geteilt: Der Lernzuwachs wird nicht nur individuell erlebt, sondern sichtbar gemacht (z.B. durch Blogs, Portfolios oder Schatzhebungstreffen) und im Colearning geteilt, sodass der Erfahrungsschatz des gesamten Stammes wächst.

Die Lernunternehmer:innen trainieren Entrepreneurship: ein Angebot entwickeln, das Kund:innen überzeugt und der Gemeinschaft nützt. Dazu kommt ein drittes Kriterium: regenerative Wirkung. Produkte und Dienstleistungen sollen so gedacht sein, dass sie Kreisläufe stärken – durch Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Wiederverwendbarkeit und sorgfältigen Ressourceneinsatz – oder ihnen zumindest nicht widersprechen. Mit Freude am Machen – ernsthaft in der Verantwortung, spielerisch im Lernen.

Weiterführende Literatur & Quellen

  • Marco Jakob: Lernunternehmen (Entwicklung des Konzeptes anhand der Pilzfarm).
  • Fredi Zumbrunn: Lernunternehmen (Entwicklung des Konzeptes anhand der Pilzfarm).
  • Elinor Ostrom: Was mehr wird, wenn wir teilen (Commons-Ökonomie).
  • Christian Felber: Gemeinwohl-Ökonomie.