Lerndorf Zollikofen

Lerndorf Zollikofen

Wohnen und Lernen verbinden

Zollikofen, Schweiz Seit 2024

Das Urbane Dorf Webergut in Zollikofen bei Bern zeigt Colearning in der Dimension des Wohnens. In einem ehemaligen Bürogebäude entwickelt die Genossenschaft Urbane Dörfer ein urbanes Dorf, das Wohnen, Arbeiten und Lernen integriert. Hier entsteht ein Lebensort mit fliessenden Übergängen zwischen privaten Wohnungen, halböffentlichen Gemeinschaftsbereichen und öffentlich zugänglichen Räumen. Das Erdgeschoss – die Allmende – beherbergt Coworking-Spaces, Werkstätten, Ateliers und Gemeinschaftsküchen. So werden Begegnungen zwischen Bewohner:innen aller Generationen auf natürliche Weise gefördert.

Herausforderung

Übliche Wohn- und Bildungskonzepte trennen strikt: Hier das Zuhause, dort die Schule; hier die Familie, dort die Institution. Das Webergut kontert die pädagogische Sonderwelt Schule mit Durchlässigkeit und Begegnung als Normalfall. Das Problem, das es hier löst, ist die Isolation des Lernens vom echten Leben. Das Webergut fragt: Wie können wir ein Wohnquartier so gestalten, dass alltägliches Lernen für alle Generationen zur Norm wird, statt zur Ausnahme?

Mechanismen (Framework-Hebel)

Im Webergut sind mehrere Colearning-Prinzipien baulich und sozial verankert:

  • Permeabilität: Es gibt keine scharfe Trennung von privat vs. öffentlich. Die Allmende-Zonen im Erdgeschoss sind halböffentliche Räume, die dem Quartier und den Bewohner:innen gleichermaßen dienen. Werkstatt, Co-Working, Küche – all diese Bereiche sind Lern- und Begegnungsräume, in die man jederzeit hineinstolpern kann. Lernen wird dadurch allgegenwärtig, weil Arbeit und Alltag sichtbar stattfinden.
  • Generationen-Mischung als Lernfeld: Das Webergut fördert ein Generationenwohnen, bei dem Jung und Alt in Kontakt kommen. Ob im Gemeinschaftsgarten oder in der Holzwerkstatt – es entstehen Gelegenheiten, bei denen Wissen, Geschichten und Handwerkstraditionen zwischen den Generationen fliessen. Das reaktiviert das Ballenberg-Prinzip, bei dem kulturelles Wissen und Können als „Backup“ von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird. Was früher im Dorf normal war, wird hier bewusst neu inszeniert.
  • Pioniernutzung & Prototyping: Schon vor der Umbauphase wurde das Gebäude temporär als Reallabor genutzt. Anstatt auf den perfekten Endausbau zu warten, startete die Community im "Unfertigen" mit Zwischennutzungen – Workshops, Pop-up-Ateliers, Bildungsangeboten. Diese Experimentierphase ermöglichte es, eine Lern- und Nachbarschaftskultur zu entwickeln, bevor die Wohnungen überhaupt bezogen waren. Das Motto: erst machen, dann bauen. So floss das Feedback aus der Praxis direkt in die Planung des finalen Konzepts ein.

Auswirkungen & Beute

Das Webergut demonstriert, wie Bildung in den Alltag integriert aussehen kann. Die Bewohner:innen – ob 5 oder 85 Jahre alt – lernen ständig voneinander: Im alltäglichen Miteinander werden Kochrezepte, handwerkliche Tricks, digitale Skills oder Gartentipps ausgetauscht. Damit normalisiert das Webergut das informelle, nachbarschaftliche Lernen, das in anonymen Stadtstrukturen oft verloren gegangen ist. Die Beute ist hier ein inklusives Gemeinschaftsgefühl und eine gegenseitige Unterstützung im Alltag, die man so nur aus dem sprichwörtlichen „Dorf“ kennt. Für die Bildungsinnovator:innen ist das Webergut ein wichtiger Proof: Es zeigt, dass man baulich-infrastrukturell Lernräume schaffen kann, ohne dass es „Klassenzimmer“ braucht – das Quartier ist das Curriculum. Die bauliche Integration von Lernen ins Wohnen schafft resiliente Gemeinschaften, in denen Wissen zum Commons wird: allen zugänglich, von allen mitgestaltet.

Übertragbarkeit

Projekte wie das Webergut lassen sich überall dort denken, wo neue Wohnformen oder Quartierzentren entstehen. Ein Schlüssel ist, Allmende-Zonen einzuplanen – also gemeinsam genutzte Räume wie Gemeinschaftsräume, Werkstätten, Gemeinschaftsbüros, Gärten. Ein weiterer Schlüssel ist, sozial durchmischt zu planen – Alterssegregation vermeiden, stattdessen Mini-“Dörfer” schaffen. Und ganz praktisch: Schon bevor ein solcher Ort voll ausgebaut ist, kann man mit Zwischennutzungen prototypen – ein temporärer Coworking- oder Kulturraum kann helfen, die Community zu formen, die den Ort später trägt.

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