Die neuen Rollenbilder
Im industriellen Modell gibt es Sender (Lehrer:innen) und Empfänger (Schüler:innen). Im Colearning lösen sich diese binären Hierarchien auf. Das bedeutet aber nicht, dass alle das Gleiche tun.
Wir ersetzen die statischen Positionen durch drei dynamische Rollen. Es sind keine fixen Jobtitel, sondern Haltungen, die wir alle – ob 6 oder 96 Jahre alt – einnehmen können.
Lernkultivator:in

Lernkultivator:innen sind Gärtner der Neugier. Sie wissen, dass Wachstum nicht angeordnet werden kann. Wir können nur den Boden dafür bereiten. Ihre Arbeit ist oft unsichtbar: Sie beobachtet die Energie im Raum und erkennen, wenn jemand feststeckt.
- Vernetzung: Wenn Fragen im Raum stehen, öffnen Kultivator:innen Räume für die eigene Exploration. Durch klärende Fragen stärken sie die Eigeninitiative und stiften Verbindungen zu neuen Ressourcen – zu Expert:innen, Werkzeugen oder Projekten, in denen die Antwort im eigenen Tun erfahrbar wird.
- Kultur hüten: Sie schützen die psychologische Sicherheit und achten darauf, dass die Flamme der Begeisterung nicht durch Bewertung oder Zynismus erstickt wird. Sie leben vor, dass Lernen ein integraler Bestandteil des Lebens ist.
- Kultivierung von Resonanzräumen: Wir achten die Tiefe und Intensität gemeinsamer Prozesse als wertvolles Gut. Als Colearner:innen übernehmen wir dann eine moderierende oder raumhaltende Rolle, wenn wir von der Gemeinschaft oder einzelnen Beteiligten dazu eingeladen werden. Wir begreifen auftauchende Widerstände oder Störungen nicht als zu vermeidende Unterbrechungen, sondern als lebendige Lernanlässe, die uns einladen, Perspektiven zu weiten und unser Verständnis der Situation gemeinsam zu vertiefen.
- Meta-Lernen: Sie sind Expert:innen für das Lernen selbst. Sie helfen anderen zu verstehen, wie sie lernen, und unterstützen sie dabei, ihre eigenen Lernstrategien zu entwickeln.
Lernunternehmer:in

Das sind wir alle. Im Colearning ist niemand Passagier und wartet auf Arbeitsblätter. Als Lernunternehmer:innen übernehmen wir radikale Verantwortung für unseren Weg. Dieser Archetyp verbindet Arbeit und Lernen untrennbar miteinander.
- Beute: In jedem Projekt gibt es zwei Währungen. Die Gewinnmarge (das Produkt, das Geld, der Erfolg) und die Lernmarge (die Erkenntnis, die Fähigkeit, das Wachstum). Lernunternehmer:innen optimieren auf beides.
- Vom Konsum zur Kreation: Wir fragen nicht: „Was muss ich tun?“, sondern: „Welches Problem will ich lösen?“. Wir lernen Buchhaltung nicht für die Prüfung, sondern damit unser Projekt ein Erfolg wird.
- Sichtbarkeit: Lernunternehmer:innen dokumentieren ihre Reise nicht für die Schublade, sondern machen sie im „Digitalen Garten“ öffentlich. Einerseits für ihr eigenes Portfolio und damit andere andocken und mitlernen können.
Kompliz:in

Kompliz:innen sind Partner:innen aus der Lebenspraxis, die mit voller Eigenverantwortung am Gelingen eines Vorhabens mitwirken (“Skin in the Game”). Sie bringen die Resonanz der Anwendung ein und begegnen uns als Gleichgesinnte in der gemeinsamen Suche nach wirksamen Lösungen:
- Echte Wirkung: Kompliz:innen sind Kunden, Auftraggeber oder lokale Partner, die unsere Ergebnisse wirklich brauchen.
- Unbestechliches Feedback: Ihr Feedback ist Validierung durch Realität. Funktioniert die Website? Schmeckt der Kaffee? Löst die Reparatur das Problem? Dieses Feedback validiert Kompetenz besser als jede Note, weil es Konsequenzen in der echten Welt hat.
- Unterstützer:innen: Komplizen können auch Menschen sein, die das Colearning finanziell, ideell oder mit ihrem Können unterstützen.