Minimalstandards

Wann ist es Colearning?

Colearning ist kein starres Franchise. Es darf bunt und überall anders aussehen, angepasst an die lokalen Bedingungen. Aber damit der Begriff nicht zu einem leeren Label verkommt, orientieren wir uns an fünf Minimalstandards. Nur wenn diese erfüllt sind, sprechen wir von Colearning:

  1. Echte Altersmischung (statt Segregation): Mindestens zwei Generationen arbeiten und lernen aktiv im selben Raum. Unterschiedliche Berufe, Kulturen und Fähigkeiten begegnen sich. Erwachsene sind keine Betreuer oder Wissensvermittler, sondern gehen ihrer eigenen Arbeit nach und vertiefen sich selbst in das Lernen. Kinder und Jugendliche lernen durch eigene Projekte und durch Beobachten und Mitmachen.
  2. Reale Verantwortung (statt Simulation): Es gibt Projekte („Jagd“), die Konsequenzen in der echten Welt haben – echtes Geld, echte Kunden, echter Nutzen. Wir ersetzen das Lernen auf Vorrat („Just-in-Case“) durch Lernen bei Bedarf („Just-in-Time“).
  3. Beute und Lernschätze teilen (statt horten): Lernen wird dokumentiert und sichtbar gemacht („Lagerfeuer“). Wir stellen Beute (Erfolg, Ertrag, Nutzen) und Lernschätze (Erkenntnisse aus Erfolg und Scheitern) der Gemeinschaft als Gemeingut zur Verfügung.
  4. Autonomie (statt Zwang): Der Kitt der Gemeinschaft ist nicht Anwesenheitspflicht, sondern die freie Entscheidung. Wir achten Menschen jeden Alters als souveräne Akteure. Es gilt das Prinzip der Nichteinmischung: Wir manipulieren nicht, wir laden ein.
  5. Reflektierte Gemeinschaft (statt reiner Anwesenheit): Colearning erfordert die aktive Reflexion des eigenen Weges (digitaler Garten, Mentoring) und eine soziokratische Mitwirkung in der Organisation. Es ist eine “Community of Practice”, in der man nicht nur nebeneinander existiert, sondern durch Austausch und Sichtbarkeit gemeinsam wächst.