Steward Ownership: Langfristig dem Sinn verpflichtet

Sinnvolle Eigentumsstrukturen für Lernunternehmen
Wenn Lernunternehmen wachsen, verändern sie ihren Charakter. Aus einer kleinen Initiative wird vielleicht eine Organisation mit Angestellten und wertvollen Vermögenswerten. Hier wächst das Risiko, dass sich Prioritäten ungewollt und schleichend verschieben. Oft beginnt dies mit dem ökonomischen Selbsterhaltungstrieb oder es entstehen Begehrlichkeiten am erfolgreichen Unternehmen.
Damit ein Lernunternehmen, ob klein oder gross, seiner Mission treu bleibt – selbst wenn die Gründergeneration wechselt –, müssen wir die Eigentumsstruktur richtig aufsetzen. Dies wird erreicht durch das Prinzip des Steward Ownerships (Verantwortungseigentum) in der DNA der Firma.

Das bedeutet: Das Unternehmen gehört sich selbst und dem Sinn, dem es dient. Es kann nicht plötzlich zur Gewinnmaximierung für Einzelne oder als Spekulationsobjekt verwendet werden. Unabhängig von der Rechtsform (Verein, GmbH, AG, Genossenschaft) verankert Steward Ownership zwei Prinzipien:
- Selbstbestimmung (Das Steuerrad): Die Macht liegt immer bei denen, die aktiv im Unternehmen tätig sind. Stimmrechte sind an die Aufgabe gebunden, nicht an Geld. Sie können nicht vererbt oder an fremde Investoren verkauft werden. Wer Verantwortung übernimmt, erhält Stimme; wer geht, gibt sie ab. Das Unternehmen bleibt ein Ort der Tätigen.
- Vermögensbindung (Asset Lock): Gewinne sind Mittel zum Zweck. Sie dienen dazu, das Unternehmen zu stärken, Löhne zu zahlen, in Lernen zu investieren oder den Stamm zu unterstützen. Gewinne können nicht privatisiert oder zur reinen Vermögensvermehrung Einzelner aus der Firma gezogen werden.
Das Thema tönt etwas technisch, gehört aber zu einer der wichtigsten Fragen, die es beim unternehmerischen Handeln zu beantworten gilt. Wegen der langfristigen oder erst spät auftretenden Auswirkungen ist es nicht etwas, das man einfach durch Ausprobieren lernen sollte. Hier können erfahrene Kompliz:innen helfen, das Fundament solide zu legen.
Beispiel YOLU: Das aus dem Coworking & Colearning in Bern hervorgegangene und erwachsen gewordene Lernunternehmen YOLU (siehe Fallstudien) nutzt dieses Prinzip. Es ist rechtlich gesichert, dass niemand die Firma kaufen oder den Gewinn abschöpfen kann. Die heutigen „Eigentümer“ sind lediglich Stewards, das heisst, verantwortungsvolle Verwalter auf Zeit. Sie halten das Steuerrad, solange sie aktiv sind, teilen es mit Neuen, die dazu kommen und geben es irgendwann an eine nächste Generation von Lernunternehmer:innen weiter.
Wenn Lernunternehmen auf “Steward Ownership” gebaut sind und erfolgreich werden, so können diese das langfristige Bestehen eines Stammes sichern und die geschaffenen Commons erhalten.
Weiterführende Literatur & Quellen
- Purpose Foundation: Verantwortungseigentum (Steward Ownership) (Das Standardwerk, um zu verstehen, wie man Unternehmen so strukturiert, dass sie sich selbst gehören).
- Marco Jakob: Sei ein Zebra, kein Einhorn! (Unternehmen, die nicht nur auf Profit aus sind, sondern auch einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben).