Aviel (13) wartet nicht auf den Informatikunterricht, um Technik zu verstehen. Unterricht ist ihm sowieso fremd, da er keine Schule besucht. Im Coworking und Colearning Space hat er eine Reparaturwerkstatt für Retro-Game-Konsolen eingerichtet. In seinem Lernunternehmen werden kaputte GameBoys aus den 1980ern repariert und wieder verkauft. Was er nicht mehr reparieren kann, verarbeitet er weiter zu Kunstobjekten. Zudem hat er im Space eine Retro-Game-Ecke eingerichtet, bei der alle willkommen sind. Diese Ecke schafft erstaunlich viel Verbindungen über Generationen: Die Älteren erinnern sich an ihre eigenen Jugendjahre zurückversetzt und werden von den Jungen zum Spiel herausgefordert.
Vom Gast zum Teamkollegen
Aviels Weg ins Colearning verlief organisch: Zuerst kam er nur einen Tag pro Woche. Doch die Umgebung wirkt als Magnet. Bald weitete er seine Zeit aus, nicht weil er musste, sondern weil er im Umfeld des Mediamatiker-Teams von YOLU Gleichgesinnte fand. Hier griff das LOPI-Prinzip (Learning by Observing and Pitching In): Aviel beobachtet die älteren Juniors und Seniors bei der Arbeit, schaut sich Handlungen und Haltungen ab und wird umgekehrt zum Experten für Lötarbeiten und Hardware-Tüfteleien. Es entsteht ein gegenseitiges Befruchten ohne formale Hierarchie, er gehört einfach zum Team.
Nachmachen: Der Einstieg über die Hände
Reparaturwerkstätten sind ideale Einstiegspunkte für Colearning, da sie sofort Sinn stiften. Etwas Defektes wieder funktionsfähig zu machen, ist eine unmittelbare Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Zudem ist dies ein direkter Beitrag zur Zivilen Resilienz: In einer Welt, die auf Wegwerfen programmiert ist, lernen hier Menschen jeden Alters, Dinge zu erhalten und Kreisläufe zu schliessen (Circular Economy).
Wer nach einem Modell sucht, wie man Jugendliche an Handwerk und Berufswelt heranführt, findet beim Schweizer Pionierprojekt Brokids wertvolle Inspiration. Dort reparieren Jugendliche (11–14 Jahre) unter Anleitung von erfahrenen Berufsleuten (oft Generation 55+) Kinderartikel und verkaufen diese weiter.
Eine Reparaturwerkstatt braucht nicht viel, schafft aber sofort Anlässe für Beziehungen zwischen den Generationen. Ein Prinzip, das sich auch im Kleinen in jedem Quartier starten lässt.